50 Aktien für 360.000 €

ZaVodou stellte auf seinem Blog die Aufgabe, einem Freund ein Depot aus 50 Einzelwerten zu erstellen. Dieser Freund ist 65 Jahre und hat während seines Lebens 360.000,00 € angespart. Diese sollen nun der Altersvorsorge dienen.

Die Voraussetzungen dafür sind, dass er netto 1.000,00 € pro Monat zur Verfügung hat und insgesamt 500,00 € Steuern zahlen muss. Das bedeutet er benötigt eine absolute Bruttorendite von 12.500,00 €, was bei einem Vermögen von 360.000,00 € ca. 3,5 % Rendite bedeutet.

Eine Reihe von Problemen

Es tun sich folgende Probleme bei der Aufgabenstellung auf. (1) Die 360.000,00 € sollen nicht aufgezehrt werden bzw. die Substanz muss erhalten bleiben. (2) Das Depot soll nur einmal erstellt und dann nie wieder verändert werden. Das schließt zukünftige Transaktionen aus, sodass wir in unserer Performance nur Ausschüttungen berücksichtigen können. (3) Außerdem soll die Inflation, nicht genannt, aber ich nehme sie mit rund 2 % an, mindestens geschlagen werden. (4) Es müssen 50 Unternehmen gefunden werden, die,sofern der Gesamtbetrag gleichmäßig verteilt werden soll, im Schnitt 3,5 % anfängliche Dividendenrendite bieten.

Erster Lösungsansatz

Es ist möglich die Substanz zu erhalten und die Ausschüttung von 12.500,00 € zu gewährleisten. Wenn die gesamte Summe zum Beispiel in AT&T investiert werden würde. AT&T bietet eine anfängliche Dividendenrendite von rund 5,5 % bei einem Kurs von 31,30 €. Das wären 11.500 Aktien, die künftig ca. 19.800 € ausschütten würden. Nach Abzug der Steuern und der Lebenshaltungskosten würden 7.300 € zum Reinvestieren verbleiben, was bei einer Kurssteigerung von ca. 5 % p.a. (Durchschnitt der letzten 10 Jahre laut onvista) einen Reinvestitionskurs von ca. 33,00 € bedeuten würde und somit zusätzliche 220 AT&T-Aktien ins Depot spülen würde. Der künftige Ausschüttungsbetrag beliefe, bei einer Dividendenerhöhung von 2 % (Dividendenerhöhung letztes Jahr laut CCC-Liste) sich auf 20.580 €, was einer Steigerung von fast 4 % entspräche, also nicht nur die Inflation schlägt, sondern den Wohlstand noch um 2 % steigert.

Allerdings haben wir hier das Problem, dass uns noch weitere 49 Unternehmen fehlen. Es zeigt aber, dass es grundsätzlich funktionieren kann, wenn man Klumpenrisiken eingehen würde.

Zweiter Lösungsansatz

Ich empfand es als extrem schwierig, 50 Unternehmen mit einer durchschnittlichen, anfänglichen Dividendenrendite von 3,5 % zu finden. Zunächst versuchte ich den bequemen Weg eine Reihe von gestandenen Werten aufzustellen, die seit Jahrzehnten steigende Dividenden ausschütten, indem ich die CCC-Liste nach Dividendenrenditen filterte und die 50 Unternehmen mit den höchsten Dividendenrenditen auswählte. Leider komme ich so auf nur knapp 3,41 %. Dadurch fällt auch diese Lösung weg. Auch wenn künftige Dividendensteigerungen die fehlenden 0,09 % schnell hinfällig werden lassen würden. So verfehlt dieser Lösungsansatz die Voraussetzung von den Erträge leben zu können. Dies zeigt aber auch, wie wichtig der Einstiegszeitpunkt ist. Bei einer Gesamtkorrektur des Marktes ohne Dividendenkürzungen, wäre diese Lösung durchaus umsetzbar.

Keine Lösung

Die Schwierigkeit alle vier Bedingungen

  1. Substanzerhalt
  2. keine Transaktionen
  3. Schutz vor Inflation
  4. genau 50 Unternehmen

gleichzeitig zu erfüllen, zeigt, dass ein später Einstieg in den Aktienmarkt als Altersvorsorge wohl überlegt sein sollte. Hätte der Freund bereits zu Beginn seine Ersparnisse am Kapitalmarkt investiert, wäre sein Vermögen (1) vermutlich deutlich höher und er hätte (2) bereits einige seiner Ausgaben gedeckt.

Außerdem ist es in der Praxis vermutlich nicht ausreichend anfänglich lediglich eine Bruttorendite von 3,5 % zu erwirtschaften, weil hier die Gefahr von Dividendenkürzungen und -streichungen gar nicht berücksichtigt wird. Nach der Portfoliotheorie würden zwar bereits 33 Unternehmen ausreichen um den Schaden durch 1 oder 2 Dividendenstreichungen aufzufangen, aber dann bleibt die Gefahr, die Inflation nicht ausgleichen zu können.

Fazit aus dieser Übung

Ich ziehe aus dieser Übung die Erkenntnis, dass es einfacher und besser ist, frühzeitig mit dem Vermögensaufbau zu beginnen, um den Zinseszinseffekt bereits mit Renteneintritt voll nutzen zu können. Die Gefahr, dass gewisse Mindestanforderungen nicht erfüllt werden können ist in meinen Augen so deutlich geringer.

2 Antworten

  • Hallo,
    dake für Deine Antwort.
    Die Erkenntnis würde Deinem Freund jetzt aber nichts nützen.
    2 % Inflationsausgleich? Meinst Du das würde ausreichen um auf der sicheren Seite u sein? Wie hoch ist denn die historische Inflation? Wie gehst Du mit den Währungsrisiken um?
    Der Ansatz war doch schon ganz gut. Du musst einen Mix aus High-Yieldern und anderen Dividendenaktien finden, die mit ihrem Wachstum die Inflation abdecken können.

    • Hallo ZaVodou,

      stimmt, meine Erkenntnis nützt ihm leider nichts. Die 2 % habe ich als Ziel der EZB für den europäischen Raum angenommen, um eine konstante Zahl zu haben. In der Praxis müsste man sich gegebenenfalls anschauen welche Güter der Freund überhaupt benötigt und wie viel was davon in seinem persönlichen Warenkorb ausmacht. Währungsrisiken würde ich höchstens durch eine ausreichende Diversifikation (durch die Quellensteuereinschränkung wird diese auf Landes- und Währungsbasis schwieriger) oder durch einen entsprechenden Puffer in der anfänglichen Dividendenrendite versuchen auszugleichen. Die Passivität des Freundes lässt aktives Hedgen leider nicht zu.
      Um die die benötigten 3,5 % zzgl. eines Puffers (für Dividendenkürzungen, Währungsrisiken) anfängliche Dividendenrendite zu erhalten, müssten die High-Yielder schon stark übergewichtet sein, was ggf. das Dividendenwachstum der anderen Titel unbedeutend werden lassen könnte.

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