Aufbau eines Dividendendepots

In diesem Artikel erfährst du

  • was ein Dividendendepot/eine Dividendenstrategie ist
  • welche Voraussetzungen für ein Dividendendepot notwendig sind
  • wie man startet und welche Einflussfaktoren es gibt
  • welche Meilensteine man definieren könnte.

Inhalt


Wenn du dich für Dividend Growth Investing interessierst und noch nicht damit begonnen hast, dann gibt dir dieser Artikel einen ersten Überblick, worauf es beim Aufbau eines Dividendendepots ankommt.

Bitte beachte, dass dieser Artikel nicht alles im Detail beleuchtet und man noch sehr viel mehr beim Depotaufbau beachten kann und sollte. Dennoch soll er eine Starthilfe geben, denn das Beginnen ist der wichtigste Schritt überhaupt. Es heißt nicht umsonst: Geld, dass heute angelegt wird, wird schon morgen verzinst oder auch:

The best time to plant a tree is 20 years ago. The second best time is today.

Und wenn du dir trotz dieses Artikels nicht sicher bist, ob diese Anlagestrategie mit einem Dividendendepot das Richtige für dich ist, dann nimm dir die Zeit, das in Ruhe herauszufinden. Überstürze nichts. Denn darüber erfährst du gleich mehr.

Voraussetzungen

Die erste Frage, die du dir stellen solltest, ist wie bereits erwähnt, ob diese Anlagestrategie überhaupt die Richtige für ist. Nur weil alle Welt jetzt von Dividenden spricht, heißt das noch lange nicht, dass Dividenden alternativlos sind. Denn grundsätzlich setzt diese Anlagestrategie einen sehr großen Anlagehorizont voraus, da die eigentliche Wirkung auf dem Zinseszinseffekt beruht und dieser erst nach einigen Jahren seine volle Wirkung entfalten und man erst in mehreren weiteren Jahren von dieser Wirkung profitieren kann.

Exponentielles Wachstum des Kapitals
Aus 1.000,00 € werden nach 40 Jahren 6.704,75 € bei einer durchschnittlichen Verzinsung von 5 % p.a.

Solltest du also vorhaben dein Kapital kurz- oder mittelfristig in andere Projekte zu binden (z. B. in einen Immobilienkauf oder deine Selbstständigkeit), dann solltest du dir überlegen, ob du jetzt mit deinem Kapital eine langfristige Anlagestrategie beginnen möchtest, die du gegebenenfalls vorzeitig wieder aufgibst. Das Problem daran ist, dass Strategiewechsel häufig die teuersten finanziellen Fehltritte sind.

Dividenden sind nicht gleich Dividenden

Es gibt zahlreiche Dividendenstrategien. Von Dogs of the Dow über High-Yield-Aktien bis hin zu Mindestdividendenrenditen. Es gibt die kuriosesten Namen für diese Strategien und doch unterscheiden sie sich tatsächlich oft voneinander. Vor allem qualitativ.

Viele verstehen unter Dividendenstrategien beispielsweise die Vorgehensweise, nur Aktien mit möglichst hohen Dividendenrenditen zu kaufen. Oft zeichnen sich Unternehmen mit hohen Renditen aber durch mindere unternehmerische Qualität aus (wenn es keine kurzfristige Schwächephase ist).

In diesem Artikel wird nur das Dividend Growth Investing betrachtet. Das bedeutet, dass man Unternehmen mit qualitativen Mindeststandards auswählt, z.B. bestimmter Gewinnanstieg, maximaler Gewinnrückgang, maximales KGV.

Aber ein Kriterium müssen die Aktien auf jeden Fall erfüllen: Sie sollen die vergangenen Jahre, besser Jahrzehnte, ihre Ausschüttungen mindestens einmal pro Jahr erhöht haben und diese Ausschüttungen durch den Gewinn decken können.

Dennoch gibt es keine allgemein gültige Definition von Dividendenaktien. Lass dich also nicht von irgendwelchen Nachrichten diesbezüglich überrumpeln, sondern finde deine eigene Definition und halte dich daran.

Drei Antriebskräfte

Solltest du immernoch davon überzeugt sein, dass du dein Geld für dich in deinem Dividendendepot arbeiten lassen möchtest, dann solltest du dir als nächstes die Frage stellen, ob du bereit bist einen Teil deiner Zeit dafür herzugeben, dich mit dieser Strategie, den Unternehmen in die du investierst und dem ständigen Dazulernen auseinanderzusetzen.

Des Weiteren ist deine generelle Einstellung zu Geld nicht außer Acht zu lassen. Die Dividendenstrategie wird unter anderem von folgenden Größen beeinflusst:

  1. Frisches Kapital
  2. Reinvestierte Dividenden
  3. Dividendensteigerungen

Erstens brauchst du frisches Geld um überhaupt beginnen zu können. Ohne Moos, nichts los. Das bedeutet, wenn du keine Investition tätigst, dann bekommst du, zweitens, keine Dividenden und wenn du keine Dividenden erhältst, gibt es, drittens, auch keine Dividenden für dich, die mit der Zeit steigen können.

Um auf deine Einstellung zu Geld zurück zu kommen. Du benötigst frisches Kapital um überhaupt anfangen zu können und je mehr frisches Kapital du deinem Dividendenportfolio zur Verfügung stellst, desto mehr Dividenden erhältst du und desto stärker fällt die absolute Dividendenerhöhung aus. Wenn du also weniger ausgibst, als du einnimmst, hast du Geld, dass du für dich arbeiten lassen kannst.

Wenn du dich einmal in Finanzblogs, die sich mit Dividendenstrategien beschäftigen, umsiehst, wirst du feststellen, dass die meisten Autoren ziemlich bescheiden leben. Einige sehr bescheiden, andere moderat bescheiden. Es gibt aber kaum jemanden, der sein Geld für Konsumgüter einfach rauswirft.
Das bedeutet zwar nicht, dass man sich nichts gönnen sollte, aber insgesamt geht es nunmal darum, dass am Ende des Monats noch Geld übrig ist und nicht anders herum.

Wenn du also bereit bist, dein Geld langfristig (und langfristig bedeutet in diesem Fall mindestens ein oder mehrere Jahrzehnte) anlegen kannst und möchtest, weil du es aktuell und in naher Zukunft für keine anderen Dinge benötigst, wenn du bereit bist zu lernen und dich mit dem nötigen Grundwissen auszustatten und außerdem noch regelmäßig einen Überschuss erwirtschaftest, den du ebenfalls langfristig (schau dir die obige Definition nochmal ganz genau an) anlegen kannst und möchtest, dann hast du schonmal ziemlich gute Voraussetzungen für einen der, wie ich finde, besten Life-Hacks, den unsere Welt und unsere Gesellschaft zu bieten hat: Dividend Growth Investing.

Unternehmensauswahl

Natürlich wäre es schön, die nächste Apple oder Google zu kennen und mit dieser Kursrakete Richtung Planeten Reichtum zu fliegen.
Allerdings ist es nicht so einfach ein gutes Unternehmen als solches zu erkennen, bevor es erfolgreich ist.

Darum können wir es auch einfacher angehen. Wir suchen die Unternehmen, die in der Vergangenheit schon sehr erfolgreich waren und das auch mit Zahlen und Fakten unter Beweis gestellt haben und von denen wir ausgehen, dass sie genau das auch in Zukunft noch genauso machen werden.

Zum Beispiel wurde festgestellt, dass vor allem die Branchen Pharma, Konsumgüter und Energie die Haupttreiber der meisten Indices waren. Aber warum ist das so? Weil diese immer gebraucht werden um unseren aktuellen Lebensstandard halten zu können, wie wir es gewohnt sind. Wir benötigen Medizin und deren Weiterentwicklung, die uns ein längeres und krankheitsärmeres Leben ermöglichen kann. Wir benötigen Nahrungsmittel sowie Haushalts- und Hygieneprodukte, um uns zu sättigen, unsere Unterkünfte rein zu halten und gegen Krankheiten vorzubeugen. Und darüber hinaus brauchen wir im Winter Wärme, für unsere Autos Treibstoff und noch viel mehr Energie für die beiden vorgenannten Branchen, unsere Städte mit ihren Einkaufszentren, Verkehrssignalen und vieles mehr.

Ein weiterer Pluspunkt von Nahrungsmittel- und Haushaltsgüterproduzenten ist, dass die Kunden von ihnen erwarten, immer wieder dasselbe Produkt auf den Markt zu bringen. Einmal daran gewöhnt, möchten die Kunden nichts Neues mehr. Das macht es diesen Konzernen leichter ihre Ausschüttungen kontinuierlich zu steigern und sich langsam neuen Marktgegebenheiten anzupassen. Im Gegensatz dazu haben es Technikkonzerne wie Apple, Sony oder Nintendo schwerer, weil hier sowohl von Verbrauchern als auch Investoren jedes Jahr neue Fortschritte in der Technik erwartet werden.

Darüber hinaus gibt es noch die Branchen: Nicht-Basisgüter, Finanzen, Industrie, Immobilien, Informationstechnologie, Rohstoffe, Versorger und Telekommunikation.

Aber hier sollte Vorsicht geboten sein. Nur weil die drei oben genannten Branchen in der näheren Vergangenheit die Outperformer vieler Indices waren, heißt das nicht, dass das in Zukunft so bleibt. So waren zwischen 1929 und 1933 vor allem Einsenbahngesellschaften und Versorger sehr gute Investments.

Dann gibt es beispielsweise noch Branchen, die sehr schwer einzuschätzen sind und für die es spezielleres Wissen benötigt. Dazu zählt zum Beispiel die Finanzbranche. Trotz stärker werdenden Regulierung sind Banken für Außenstehende immer noch sehr undurchsichtig. Charlie Munger sagte in einem Interview:

I think an ideal bank is pretty boring.

Und ich gebe ihm recht. Wäre das Geschäft von Banken einfacher gestrickt und viel langweiliger, dann wären sie einerseits einfacher für Investoren zu bewerten und andererseits wären sie für ihre CEOs leichter zu lenken. Im Moment ist dies aber nicht der Fall, weswegen wir beim Aufbau unseres Dividendendepots Unternehmen aus dieser Branche meiden sollten. Dadurch können uns zwar Chancen entgehen. Wir können aber keine böse Überraschungen wie mit Lehman erleben, weil wir uns ein Unternehmen gekauft haben, dass wir nicht verstehen.

Worauf aber haben wir bei der Unternehmensauswahl zu achten? In allererster Linie wollen wir Unternehmen die:

  1. ein leicht zu verstehendes Geschäftsmodell haben
  2. bereits auf dem Markt etabliert sind (starke Marken und einen sogenannten Burggraben* besitzen)
  3. in den letzten Jahren keine nennenswerten oder gar verheerenden Umsatz- oder Gewinneinbrüche erlitten haben
  4. ihre Ausschüttungen durch ihren Cash-Flow decken können
  5. ihre Ausschüttungen kontinuierlich steigern

*Burggraben: einen Abstand zu Konkurrenten durch starke Produkte oder gute Innovationen, die sich nicht mit gleichem Aufwand kopieren lassen

Wenn man diese Kriterien berücksichtigt findet man rund 40 bis 50 Unternehmen, die überhaupt in Frage kommen. Diese werden auf vielen Blogs und Websites, die sich mit Dividendenstrategien beschäftigen, regelmäßig analysiert oder vorgestellt. Du kannst diese Kriterien aber nach deinen Bedürfnissen anpassen. Wichtig ist, dass du sie für dich mit der Zeit und der Erfahrung für dich fixierst und dich dann an diese hältst und möglichst nicht von Emotionen leiten lässt.

Das Ziel ist es nun, diese Unternehmen zu einem Abschlag zu kaufen, zu behalten, die Dividenden zu vereinnahmen und bei erneuten Abschlägen auch erneut zu investieren.

Kurs auf die ersten Meilensteine

Nachdem der Stein ins Rollen gebracht wurde, heißt es dran zu bleiben. Auf meinem Blog geht es vor allem auch darum, wie man sich verhalten sollte, wenn die Märkte mal nicht, wie die letzten acht Jahre, immer nur nach oben laufen. Das Problem vieler Investoren ist, dass sie nicht lange genug im Markt waren und vielleicht auch noch nie einen Crash miterlebt haben. Das ist der Grund warum Dividendenstrategien so stark sind. Auch die Kurse dieser Unternehmen kommen in Wirtschaftskrisen unter die Räder, aber dem Investor bleiben die Ausschüttungen und erst hier können Dividendeninvestoren richtig verdienen, da in diesem Wirtschaftszyklus unglaublich viele Unternehmen zu erheblich Abschlägen gehandelt werden. Ein wichtiges Ziel ist es demnach, sich psychologisch kennen- und einschätzen zu lernen.

Zwei weitere Ziele sollten nach Start der Strategie die Folgenden sein:

1. Das Vermögen des Dividendenportfolios sollte so schnell wie möglich die Grenze von 100.000 € übersteigen. Und zwar, weil ab diesem Zeitpunkt das Geld wirklich von allein beginnt zu arbeiten. Wenn wir mit einer Dividendenrendite von ca. 2,5 % rechnen, dann erhalten wir 2.500 €/Jahr aus dem Depot. Wird dieses Geld reinvestiert, erhalten wir daraus weitere 62,50 € an Dividenden (also 2.562,50 €). Und das ohne die Dividendenerhöhungen zu berücksichtigen.

2. Das Dividendendepot sollte geschützt werden, da es uns Einkommen verschafft, für das wir nicht zusätzlich arbeiten müssen. Aus diesem Grund ist es wichtig, nur die besten Unternehmen zu wählen und zu verhindern, dass Dividendenkürzungen oder -streichung sowie Insolvenzen die Substanz des Depots angreifen. Neben der Qualität der Unternehmen spielt auch die Diversifikation auf ausreichend Unternehmen ein große Rolle (stelle dir auch die Frage, welches Ziel du mit der Diversifikation erreichen möchtest).

Du siehst, Dividendenstrategien sind kein Hexenwerk, sie erfordern aber auf alle Fälle eine Menge Disziplin und Durchhaltevermögen vor allem in schlechten Wirtschaftszyklen. Der Wille sich über Unternehmen zu informieren und Investitionsfehler zu erkennen und sich eingestehen zu können gehören ebenfalls dazu.

Am langen Ende wartet eine finanzielle Festung, die dein Einkommen aufbessert, deine Investitionskraft steigert, dir eine Reise ermöglicht, deine Tankrechnungen, deinen neuen Computer bezahlt oder dir einfach ein paar unbezahlte Urlaubstage verschaffen kann.

Und wenn du es lieber noch wissenschaftlich unterlegt haben möchtest, warum Aktien in den letzten 200 Jahren die beste Anlageklasse waren, empfehle ich dir die folgenden zwei Bücher von Jeremy Siegel:

  1. Aktien für die Ewigkeit: Das Standardwerk für die richtige Portfoliostrategie und eine kontinuierliche Rendite*
    Aktien für die Ewigkeit
  2. Überlegen Investieren: Warum sich die traditionellen Anlage-Strategien eben doch auszahlen*
    Überlegen Investieren

Insbesondere das zweite Werk fand ich interessant, weil Jeremy Siegel dort seine Globale Lösung erläutert. Mit dieser zeigt er, wie sich die Vermögensgegenstände demographisch bedingt verschieben werden.

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