Bankberater bei der Aktienauswahl

Das schweizer Magazin Bilanz veröffentlichte am 15. August 2015 den Artikel Bankberater: Der Null-Null-Effekt für die Aktien-Anleger.

Diesen möchte ich gerne etwas kritischer hinterfragen, da er meines Erachtens ein falsches Bild auf die Beratung bei der Auswahl von Einzeltiteln wirft. Die Zugrunde liegende Studie habe ich bereits auf der entsprechenden Seite angefordert um hier als Update später gegebenenfalls ein paar meiner aufkommenden Fragen beantworten zu können.

Die erste genannte Erkenntnis aus der besagten Studie besage, dass die Beratung die Performance der Kundenportfolios nicht verbessere, sondern vom Investor unabhängige Anlageentscheidungen häufig besser ausfielen. Die Frage ist aber auf welchen Zeitraum sich die Messung beläuft. Außerdem wäre wichtig zu wissen, wie die jeweilige Partei den Einzelwert als Anlage herausgefiltert hat. Auf welcher Basis haben die Bankanalysten die Aktie bewertet? Wie hat der Anleger seine unabhängige Entscheidung getroffen? Bauchgefühl? Eigenes Analysesystem? Worin lag der Performanceunterschied? Im Kurs? In der Ausschüttung? In beiden Komponenten?

Des Weiteren heißt es, Kunden hätten bei der Bankempfehlung auch oft beim 52-Wochen-Hoch gekauft. Ob diese Tatsache nun verheerend ist oder nicht, zeigt erst der künftige Kursverlauf. Auch hier ist die Zeit entscheidenden. Eventuell steht die Aktie nach weiteren 52 Wochen nur noch bei 50 % des Einstandswertes, nach weiteren 52 Wochen (also mittlerweile 2 Jahre später) aber schon bei 200 % im grünen Bereich.

Des Weiteren wird gesagt, der Berater helfe den Kunden Aktien nicht zu lange zu halten, weil noch Hoffnung auf weitere Kurssteigerungen bestünde. In meinen Augen ist das aber ein großer Nachteil. Hier stellt sich meines Erachtens die Frage, wie lange der Kunde ingesamt noch im Markt bleiben möchte. Was bedeutet überhaupt zu lange? Weitere drei Monate oder weitere 15 Jahre? Bei wenigen Monaten kann es natürlich passieren, dass der Berater dem Anleger die Schlinge vom Hals nimmt.

Aus meiner Sicht kann man grundsätzlich erstmal froh sein, wenn eine Retailbank Einzelwertberatung anbietet, man also im Bankberater einen Austauschpartner zu Einzelwerten findet. Die meisten Banken werden interne oder externe Analystenergebnisse haben, an denen sich die sogenannte Hausmeinung orientiert. Der Job der Analysten ist es, den ganzen Tag Unternehmen auseinander zu nehmen. Man darf also davon ausgehen, dass hier mehr Erfahrung und Kompetenz steckt, als wenn der Anleger dies selbstständig täte. Dennoch kann es natürlich sein, dass auch hierbei ein zu kleines Anlageuniversum zustande kommt oder es einige, für den Kunden, sehr wohl interessante Werte es nicht in die Hausmeinung schaffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.