Bares ist Wahres

In diesem Artikel möchte ich kurz skizzieren, warum diese Aussage nicht nur für das Bezahlen von Waren oder Dienstleistungen gilt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass an Liquidität leider oft nicht gedacht wird. Vor allem in Diskussionen über Asset-Klassen kommt Liquidität in meinen Augen viel zu kurz. Fatal finde ich deshalb Aussagen wie: Ich würde eher 100 % meines Vermögens in Immobilien, statt in Wertpapiere stecken. Natürlich sind die Mieteinnahmen ebenfalls liquide, so wie Dividenden, aber wenn es darum geht eine Immobilie loszuwerden, kann es schwieriger werden.

Liquidität als Asset-Eigentschaft

Eine wichtige Eigenschaft beim Vermögensaufbau ist meiner Meinung nach Liquidität, also die Verfügbarkeit des Vermögens. Asset-Klassen lassen sich wunderbar nach Verfügbarkeit sortieren. Während Bargeld, Sichteinlagen und Aktien in aller Regel tagtäglich verfügbar sind (Achtung, es gibt auch illiquide Aktien, aber ich spreche auf diesem Blog in der Regel von Blue-Chips, die man grundsätzlich innerhalb eines Tages liquidieren kann), hat man es mit Immobilien, geschlossenen Fonds oder direkten Unternehmensbeteiligungen in Form von Geschäftsanteilen einer GmbH schon deutlich schwieriger an einen Erlös heranzukommen.
Vor allem benötigt man für den Verkauf von Immobilien oder Gesellschafteranteilen einen Notar. Hier muss zuerst ein Termin vereinbart werden, des Weiteren zieht sich die gesamte Abwicklung einige Tage, bis die Grundbücher oder Handelsregister umgeschrieben sind. Und das auch alles nur, wenn man überhaupt einen Käufer findet.

Das heißt nicht, dass ich Immobilien oder die Gesellschaftertätigkeit für den Vermögensaufbau als ungeeignet sehe. Dennoch ist diese Illiquidität ein signifikanter und schnell zu unterschätzender Nachteil.

Mit Liquidität zum Gleichgewicht

Außerdem spielt Liquidität in meinen Augen ebenfalls beim Rebalancing des Depots eine wichtige Rolle. Zumindest, wenn man in Einzeltitel investiert, aber ebenso, wenn das Portfolio aus verschiedenen Fonds oder ETFs besteht. Rebalancing bedeutet ja nichts anderes, als seine gewünschte Depotgewichtung, nach einem bestimmten Zeitraum wiederherzustellen. Wenn jemand in seinem Depot gerne 60 % Aktien und 40 % Anleihen halten möchte und sich das Verhältnis im laufenden Jahr zu 50/50 ändert, dann heißt das, dass der Anleger 1/5 der Anleihen verkaufen soll und damit die Aktienposition auf die gewünschten 60 % aufstockt.

Investiere ich aber nun in Einzeltitel und verfolge eine bestimmte Branchengewichtung, warum sollte ich dann Aktien von einem meiner Unternehmen verkaufen, wenn es sich ausschließlich von mir extra gewählte Titel handelt, die ich für Jahrzehnte halten möchte? Ich verringere die Position eines Unternehmens, um ein anderes aufzustocken, um letztlich die Volatilität des Depots zu dämpfen. Dafür gebe ich das Dividenden- sowie das Kurswachstum dieses Unternehmens auf, was mir künftig weitere Liquidität beschert. Diese und meine sonstigen Einkünfte kann ich nutzten, um die Branchengewichtung durch gezielte Zu- oder Neukäufe wiederherzustellen. Das spart Transaktionskosten, Steuern auf Kapitalerträge und bewahrt meine bestehenden Positionen, so dass diese weiter wachsen können. Das Ungleichgewicht ergibt sich ja in der Regel auch eben dadurch, dass einige Unternehmen schneller wachsen als andere (weil bessere Ergebnisse oder weil diese Branche gerade generell gefragt ist). Warum sollte ich ein gut laufendes Investment reduzieren, um ein langsamer wachsendes Investment auszubauen?

Reicht die Liquidität aus Einkommensströmen welcher Art auch immer allerdings nicht aus, um das Portfoliogleichgewicht wiederherzustellen, dann muss man sich überlegen, ob man nur damit leben kann, indem man zu große Positionen reduziert um kleinere auf die gewünschte Gewichtung zu bringen.

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