Der Wald erleidet einen Rückschlag

Verkaufskriterium: Dividendenkürzung

Eine furchtbare Nachricht für alle Aktionäre und vor allem Dividenden-Sammler.

Das Unternehmen kürzt oder streicht gar die Dividende!

Die Dividende ist bekanntermaßen eine nicht garantierte Gewinnbeteiligung des Aktionärs am Unternehmenserfolg. Da dieser auch negativ sein kann, sollte man schon mal froh sein, dass es keine Dividende mit negativen Vorzeichen gibt (bei Genossenschaftsanteilen kann es beispielsweise zu einer Nachschusspflicht der Genossen kommen).

Dividendenkürzung ist aber nicht gleich Dividendenkürzung.

Warum also kürzt ein Unternehmen die Dividende?

In der Regel wird die Dividende gekürzt oder gestrichen, wenn die Gewinne bzw. Free-Cash-Flows nicht mehr ausreichen, um diese aufrecht zu erhalten.

Also genau das Verhalten, welches wir Finanzblogger ständig predigen: „Gib nicht mehr aus, als du einnimmst.“

Und als Investor sollten auch wir dieses Verhalten begrüßen, würden wir es doch vermutlich genauso handhaben.

BHP Billiton kürzte beispielsweise vergangenes Jahr die Dividende um sagenhafte 75 %. Darüberhinaus wurde auch noch ein Teil des Unternehmens als South32 abgespalten.

Warum? Die Rohstoffpreise gingen in den Keller und all die Förderung aus den Minen und Rohstofffelder waren nicht länger gewinnbringend für BHP. Der ehemalige CEO wollte die Dividende zwar halten und betonte seinerzeit, dass diese das Wichtigste sei, doch sein Amtsnachfolger Andrew Mackenzie wollte lieber eine gesunde Bilanz des Unternehmens.

Die Folge: Die Dividende wurde nur ein Jahr später um rund 150 % erhöht (siehe Ex-Dividend-Date 9. März 2016 zu 8. März 2017), da die Ausgaben reduziert wurde und die Rohstoffpreise zuletzt wieder angezogen sind.

Das ist leider noch nicht das Ausgangsniveau von vor zwei Jahren, aber immerhin war es meines Erachtens die richtige Entscheidung des CEOs.

Ich möchte schließlich möglichst gesunde Unternehmen in meinem Depot haben und nicht auf Teufel komm raus Cash-Flow aus dem Unternehmen ziehen.

Zudem glaube ich, dass das Geschäftsmodell von Rohstoffförderern noch lange nicht abgeschrieben werden sollte, wie ich bereits im September vergangenen Jahres schrieb.

Hier kommt dann auch meine Differenzierung von Dividendenkürzungen.

Bei zyklischen Unternehmen wie BHP Billiton, die also sehr stark von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen (dazu gehören allgemein hin z. B. auch Banken, Automobilkonzerne oder Medienkonzerne), nehme ich Dividendenkürzungen oder gar Streichungen gerne zu Gunsten einer Bilanzverbesserung in Kauf, sofern ich eine grundsätzliche Zukunft des Geschäftsmodells sehe.

Gleiches würde aus meiner Sicht somit für BP oder Royal Dutch Shell gelten. BP strich seine Dividende nach dem Unglück der Deepwater Horizon für drei Quartale und steht heute wieder auf einem ähnlichen Niveau wie Anfang 2010.

Aktuell sind die Ausschüttungsquoten der Ölmultis sehr hoch und die Dividenden stagnieren bei einigen seit geraumer Zeit. Hier wäre es meiner Meinung ebenfalls Zeit für eine temporäre Kürzung, bis sich die Gewinne wieder erholt haben.

Da aber unter anderem auch viele Pensionsfonds die Unternehmen wegen ihrer attraktiven Ausschüttungen halten, würde eine Kürzung nicht nur viele Dividendeninvestoren, mit ihren Verkaufskriterien, abschrecken und zum Verkauf drängen, ferner würde auch große institutionelle Investoren das anscheinend sinkende Schiff verlassen. Die Folge wären stark fallende Kurse, wie die Beispiel BHP (siehe Chart um Dezember 2015, als die Kürzung nur in Erwägung gezogen wurde) oder BP (siehe Chart um April bis August, als die Dividende gestrichen wurde).

Genau genommen sollte eine Dividendenkürzung oder -streichung eher ein Kaufsignal sein, wenn das Unternehmensmodell nicht grundsätzlich gefährdet ist, denn hier wäre – zumindest aus der Erfahrung heraus – sogar ein gewisses Timing möglich. Zumindest kann man hier seine Abschläge bekommen, die alle Investoren wollen. Das Problem: Jetzt traut sich niemand mehr.

Bei antizyklischen Unternehmen würde ich eine Dividendenkürzung allerdings kritischer sehen, denn hier könnte sich meines Erachtens noch eher die Frage auftun, ob das Geschäftsmodell noch zeitgemäß ist. Der Vorteil, den diese Unternehmen jedoch meist auf ihrer Seite haben, dass ein Wandel hier oft viel langsamer voranschreitet und somit mehr Zeit bleibt sich auf diesen vorzubereiten. Kommt es also dennoch zur Reduzierung oder zum Ausfall von Ausschüttungen, sollte Vorsicht geboten sein, ob man hier als Konzern nicht etwas verschlafen hat.

Nachtrag vom 1. Mai 2017:

Gerade habe ich ein Video von Jens Rabe gefunden. Er hat sich am 20. April 2017 auch Gedanken über Dividendenkürzungen gemacht:

Kennt ihr antizyklische Unternehmen, die bereits ihre Dividende kürzen oder streichen mussten? Wenn ja, dann lasst bitte einen Kommentar hier.

4 Antworten

  • Hi,
    Habe gewisse Zweifel, dass eine Dividendenkürzung ein Kaufsignal sein sollte, auch bei zyklischen Werten.
    Die Ankündigung von Dividenden an den Kapitalmarkt senden normalerweise nämlich auch ein Signal, dass diese auch künftig erwirtschaftet werden können und ein entsprechend positiver Ausblick für das Unternehmen besteht. Eine Kürzung gibt ein Signal in die Gegenrichtung. Ein Vorstand wird sich 10x überlegen, bevor er dieses Signal senden möchte.
    Viele Grüße,
    FF

    • Hi FF,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Bei antizyklischen Unternehmen sollte es meines Erachtens definitiv kein Kaufsignal sein und bei zyklischen Unternehmen war es so gemeint, als dass ich dann ein Unternehmen kaufen würde, von dessen Geschäftsmodell ich grundsätzlich überzeugt bin. Hier das Beispiel Ölmultis.
      Wenn jemand der Meinung ist, dass das Geschäftsmodell erledigt ist, sollte er die Kürzung selbstverständlich nicht als Kaufsignal betrachten. Und wie im Artikel bereits erwähnt, ist mir eine gesunde Bilanz des Unternehmens wichtiger als eine erzwungene Dividendenerhöhung.

      Es geht darum, dass einige zyklische Unternehmen in der Vergangenheit nach ihren Dividendenkürzungen besonders günstig zu haben waren. Eben durch das von dir angesprochene Signal in die Gegenrichtung. Der Markt straft den Kurs ab und das Unternehmen ist unter Umständen günstig zu haben, sollte es sich mittelfristig wieder erholen.

      Ich kann auch nicht behaupten, dass ich den Mut hätte einen solchen Kauf einzugehen. Ich kaufe auch lieber Unternehmen mit längerer Dividendenerhöhungshistorie.

      Dennoch ist es aus meiner Sicht eine Überlegung wert. Es passt aber auch in die Kategorie Turnaround-Spekulation.

      Gruß,
      Marco

  • Hi Marco,

    als (teil)-antizyklische Unternehmen fallen mir spontan EON und RWE ein. Hier wurde bekanntlich das Geschäftsmodel von den verschiedenen Regierungen (Energiewende, Atomausstieg) ruiniert.

    Eine generell gültige Regel kann man daraus aber nicht ableiten, sondern jeder Fall ist für sich eigenständig zu betrachten:

    bei BHP und BP gab es jeweils außergewöhnliche Ereignisse (Bruch des Staudamms, Deepwater Horizon), die dazu geführt haben, dass mit Milliardenzahlungen die Gewinne für 1-2 Jahre aufgezehrt werden. Aber das Geschäftsmodel stimmte weiterhin. Zusätzlich kam halt noch hinzu, dass die Rohstoffpreise im Keller waren. Aber wir alle wissen, dass das nur temporär sein kann.
    Ich habe es damals gewagt und beide gekauft und bin sehr gut damit gefahren.

    MFG
    Beppo

    • Hi Beppo,

      erstmal vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich wüsste nicht, wie ich Energieversorger einordnen sollte. Sie verkaufen zwar ein Gut, was heutzutage so gut wie immer benötigt wird. Allerdings unterliegen sie ja auch zu einem Großteil der Rohstoffwertentwicklung.

      Wie schon gesagt, soll eine Dividendenkürzung nicht blind als Kaufsignal interpretiert werden. Dennoch bietet eine solche Situation bei einigen Unternehmen sicher eine sehr gute Investitionsgelegenheit. Gerade zu rohstofflastigen Unternehmen gibt es einen Haufen interessanter Artikel bei Tim McAleenan jr..

      Glückwunsch zu deiner damaligen Kaufentscheidung! Ich habe mich das lediglich bei Chevron getraut, aber da war das Gröbste auch schon überstanden.

      Ich wünsche dir weiterhin so tolle Investments.

      Gruß,
      Marco

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