Kognitive Dissonanz

Abgesehen von Dividendenstrategien ist behavioural finance mein Lieblingsthema, wenn es um Vermögensaufbau geht. Und zwar, weil ich davon überzeugt bin, dass sie zum größten Teil für unseren Anlageerfolg oder -misserfolg verantwortlich ist. Ein rein rationaler Investor würde ja lediglich Fehler begehen können, wenn seine Unternehmensanalyse falsch ist (aufgrund seines eigenen Fehlers oder falschem Zahlenmaterial). Einem normalen Anleger kann das ebenfalls passieren. Darüber hinaus ist dieser aber auch nicht vor seinen eigenen Emotionen sicher.

Dieses Verhalten kann man aber eingrenzen, indem man sich selbst klarmacht, was in einem selbst passiert. In diesem Beitrag soll dies am Beispiel der sogenannten kognitiven Dissonanz dargelegt werden.

Kognitive Dissonanz bedeutet soviel wie, dass man in der Vergangenheit getroffene Entscheidungen hinterfragt. Dies kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Zum Beispiel, weil einem später selbst auffällt, dass man einen wichtigen (Punkt) in seiner Entscheidung nicht berücksichtigt hat oder weil man die Meinung eines anderen hört, von dem man annimmt er hätte mehr Ahnung und Erfahrung als man selbst. Daraufhin beginnt man nun seine vergangene Entscheidung zu hinterfragen und je nach dem zu bereuen. Dies ist für viele Menschen unangenehm, müsste man sich doch im schlimmsten Fall selbst eingestehen etwas falsch gemacht zu haben. Bei Aktien bedeutet dies, man hat ein Unternehmen gekauft, entscheidet sich nachträglich um und veräußert seine Anteile wieder. Und zu allem Überfluss legt dieses Unternehmen dann eine Erfolgsstory hin an der man selbst nicht mehr in vollem Umfang partizipiert.

Aber wie schütze ich mich nun davor? Nun, da gibt es verschiedene Wege. Entweder man versucht es im Vorhinein zu vermeiden, oder erst im Nachhinein.

Vermeidung im Nachhinein

Hat man bereits eine Entscheidung getroffen und und beginnt diese zu hinterfragen, dann beginnen viele und noch die Tatsachen als gegeben zu sehen, die sie sehen wollen.

Als Beispiel dürfen gerne wieder Ölkonzerne herhalten. Habe ich Aktien eines Ölkonzerns wegen der hohen Dividendenrendite gekauft und merke jetzt, dass die Gewinne dahinschmelzen, dann beginne ich mich zu fragen, ob die Dividende überhaupt so sicher ist. Anstatt nun zu analysieren, ob das Unternehmen künftig weiter in der Lage ist, die Ausschüttungen zu gewährleisten, stütze ich mich nur noch auf die enormen Cash-Reserven des Konzerns und halte daran fest, dass diese schon ausreichen um die Dividende weiter zu zahlen. Sieht doch alles gut aus. Aber dass diese Cash-Reserven eventuell schon für Akquisitionen oder Verlustausgleiche herhalten müssen, das will ich in diesem Moment nicht mehr sehen. Man spricht hier auch von selektiver Wahrnehmung.

Vermeidung im Vorhinein

Bei der Vermeidung im Vorhinein kann unter anderem die Verlustaversion zum tragen kommen. Das bedeutet, dass Verluste stärker schmerzen als Gewinne. Beim Investieren kann es sein, dass die Chancen auf steigende Kurse wahrscheinlicher sein sollen als fallende Kurse. Deswegen fällt es vielen Anlegern leichter dem Trend zu folgen, anstatt in fallende Messer zu greifen. Frag dich selbst. Wann geht es dir besser? Mit roten oder schwarzen 20 %?

Man kann sich im Vorhinein aber auch entscheiden gar nicht zu investieren. Also den Entscheidungen, wann eine Aktie ge- oder verkauft werden soll komplett aus dem Weg zu gehen, weil man zuvor schon weiß, dass man sich über seine eigenen Fehlentscheidungen zu sehr ärgern würde. Auch hier gilt, wie bei der Verlustaversion, dass man lieber richtige Entscheidungen trifft, als falsche.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass man Gewohntes bevorzugt. Wenn ich Jahre mit meinem Sparbuch gut gefahren bin, dann wird das wohl auch weiterhin so sein. Deutsche Unternehmen kenne ich, also kaufe ich auch deren Aktien (Gefahr von Home-Bias). Oder grundsätzlich gesagt, was bisher gut war, kann künftig ja nicht schlecht sein.

Fazit

Der wirklich funktionierende Weg ist, dass man sich seine Entscheidungsprozesse vorab transparent macht (z. B. Warum kaufe ich was zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Umständen veräußere ich?). So hat man jederzeit die Möglichkeit, auch bei größten Zweifeln, seinen damaligen Entscheidungsweg nachvollziehen zu können und zu schauen, ob diese Entscheidungskriterien weiterhin zutreffen, oder ob sich etwas geändert hat und es Zeit wird auszusteigen.

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