Konservativer Anleger

Vor ungefähr drei Jahren machte ich mir das erste Mal ernsthaft Gedanken über Geldanlage. Über kurz-, mittel- und langfristige Ziele, die es damit zu erreichen gilt.

Ich bin, was Geldanlage angeht, sehr konservativ erzogen worden. Zumindest wenn man von gängigen Klassifizierungssystemen ausgeht. Auf meinem finanziellen Speiseplan standen Staffelzinsprodukte, einfache Sparanlagen, Tagesgeldkonten, Bausparverträge. Eben alles das, wo man Geld einzahlen kann und dieser Betrag, den man eingezahlt hat, auch morgen, in fünf, zehn oder zwanzig Jahren noch zur Verfügung steht.

Durch meine Ausbildung wusste ich aber dennoch, wie die anderen Finanzprodukte, angefangen bei Aktien und Fonds, über Optionsscheine bis hin zu Zertifikaten funktionieren. Trotzdem, ich war konservativ, ich wollte mit meinem Geld nicht spielen und nicht auf Kursverläufe angewiesen sein.

Allerdings gab es damals ein Problem, das bis heute andauert. Monat für Monat und Jahr für Jahr fielen die Zinsen. Worüber sich die Häuslebauer freuten, das trieb den Sparern die Tränen in den Augen. Und im Moment (drei Jahre später) stecken wir immer noch tief im Tal der Sparzinstränen.

Ich hatte damals zwei Optionen. Zumindest zwei Optionen die für mich in Frage kamen.

Erstens, hätte ich weiter meine Ersparnisse in Sparguthaben, Tagesgeld, etc. angelegt und hätte gehofft, dass die Zinsen bald wieder ansteigen und ich weiter Vermögensaufbau betreiben kann, da die Sparzinsen dann letztlich auch die Inflationsrate wieder übersteigen würden, da erst dann Vermögen entstehen kann. Ansonsten wird das Realvermögen von Jahr zu Jahr weniger.

Wie wir heute sehen, wäre genau das passiert. Ich hätte noch nicht einmal den Wert der Substanz erhalten können. Und genau hier kommen wir zum entscheidenden Punkt.

Zweitens, hätte ich mich erkundigt, wie ich meine bisherige Substanz erhalten kann. Genau das tat ich. Auf einem österreichischen IT- und Wirtschaftsblog wurde ich fündig und glücklicherweise, hat genau zur selben Zeit der Autor ein Musterdepot erstellt, welches lediglich das Ziel hatte, die Inflationsrate zu schlagen.

Um das Ergebnis dieses Experimentes vorweg zu nehmen: Es hat in dem Zeitraum von einem Jahr nicht funktioniert, weil die Gesamtperformance zu Grunde gelegt wurde. Wäre es weitergeführt worden, wäre die Performance allein durch die Ausschüttungen heute deutlich über der Inflationsrate.

Mich das Konzept damals überzeugt und nachdem ich mir das Musterportfolio einige Monate angeschaut hatte, begann ich Anfang 2013 selbst damit, die Inflation zu schlagen – zumindest den Versuch.

Ich arbeitete mich tiefer in die Materie von Unternehmen, an denen ich mich beteiligen kann hinein und lernte in den vergangenen drei Jahren viel über den Effekt und die tatsächliche Kraft des Zinseszins, behavioural finance, Unternehmensbewertung, warum Ausschüttungen durch Cashflow gedeckt sein sollten, warum hohe Dividendenrenditen nicht unbedingt qualitativ hochwertige Unternehmen auszeichnen und warum Unternehmen überhaupt Wohlstand generieren können und viele Gleichgesinnte im Internet kennen.

Aber hat das Ganze noch was mit dem konservativen Anleger von 2012 zu tun? Ist es nicht ausgeartet in die Hoffnung über Nacht durch die richtige Aktie reich zu werden?

Ja, das hat es. Ich bezeichne diese Art der Geldanlage sogar als die konservativste Art, die es gibt. Ich bin an Unternehmen beteiligt. Mir gehört ein Teil ihres Eigenkapitals und dafür erhalte ich regelmäßig einen Teil des Gewinnes in Form von Dividenden. Es ist genauso konservativ, wie die Bäckerei um die Ecke. Als Meister gehört mir alles. Von der Verantwortung bis zum Erfolg. Es ist die traditionellste und konservativste Art des Geldverdienens. Man ist Miteigentümer eines Unternehmens, dass Produkte herstellt und diese an seine Nachfrager verkauft.

Und nein, es ist nicht ausgeartet. Es geht nicht um den Kurs der Aktie. Es geht darum, dass das Unternehmen vernünftig funktioniert. Das die Umsätze stimmen, dass der Gewinn stimmt und somit am Ende des Tages eben auch die Gewinnbeteiligung und das nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrzehnten und voraussichtlich noch viele weitere Dekaden. Die Aktien der Unternehmen, die das hinbekommen, steigen letzten Endes von selbst und unterschreiben damit deren Erfolg. Die Herausforderung besteht darin, diese Unternehmen zu finden, zu bewerten und zu einem fairen Preis zu kaufen.

Du kannst also weiterhin konservativer Anleger sein, auch wenn du dich an Unternehmen beteiligst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.